Corona Klimawandel und das Kamel

Corona Klimawandel und das Kamel

Ein Redebeitrag von Dr. Johannes Margreiter für das österreichische Parlament. Vorgetragen am 19. November 2020. Der Abgeordnete wurde ersucht um einen Beitrag zum Thema: „Klima, Umwelt, Mobilität“

Sehr geehrte/r Frau/Herr Präsident/in, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger an den Fernsehgeräten und hier im Saal!

Es scheint, als verschlingt das Coronothema so langsam alles und jeden, kein Tagesthema, das nicht davon belastet, abgelöst oder ins Abseits gedrängt wird. Selbst dem vor einem guten Jahr noch so heiß diskutierten Klimawandel, scheint es mittlerweile besser zu gehen. Aber keine falsche Vorfreude bitte, es hat sich höchstens seine Schlagzeilentauglichkeit „abgekühlt”, die Polkappen schmelzen noch immer vor sich hin. Nun, tatsächlich haben aber Corona, der Klimawandel, das hier angedachte Budgetvorhaben und ein Kamel mehr Gemeinsamkeiten, als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Aber bitte – der Reihe nach:

Wenn uns  Corona etwas in aller Deutlichkeit zeigt, dann ist es, dass es weltweite Problemstellungen gibt, die einfach keine Staatsgrenzen anerkennen. Ob in Wisconsin, Mailand oder Teheran, ein Menschenfeind, zu klein, um mit bloßem Auge wahrnehmbar zu sein, tötet hunderttausende von uns. Und obwohl dieser Umstand mit Zahlen belegbar ist, namhafte Forscher und Forscherinnen weltweit uns ans Herz legen, Achtsamkeit zu entwickeln, unsere Umwelt nicht nur zu respektieren sondern durch eigenes Handeln sie mit zu schützen – gibt es Menschen, die da schlicht behaupten, ist alles nur  Lüge, Fake news, Linke Propaganda. Es wird sich beweisen, es war der berüchtigte Sturm im Wasserglas, eine Modeerscheinung, Hysterie, eine maßlos überzogene Weltuntergangsvorstellung. Kollege Kickl, wenn‘s auch so klingt,  ich rede da jetzt nicht nur von Ihnen.

Wissen Sie eigentlich noch, von was ich rede? Das klingt doch alles schon sehr bekannt, oder? Schon so oft gehört. Aber ja natürlich: ersetzen Sie die Überschriften, überschreiben Sie Corona mit dem Wort Klimawandel und sie kommen zum gleichen Ergebnis, zu den gleichen Argumenten, den gleichen Weltverschwörungstheorien. Bedenke ich jetzt, dass es auch noch die gleichen Politiker und Politikerinnen sind, die sich dieser Thematik annehmen, dann verliert die Sache allerdings jede Form von Witz. Die gleichen Seilbahnbonzen, die gleichen Glückspiel Lobbyisten, die gleichen Fachdilettanten bestimmen den zukünftigen Umgang mit Umweltschutz?

Ihr Budgetengagement in allen Ehren, Frau Gewessler, allein es fehlt mir der Glaube, wenn sich Ihre türkisen Partner plötzlich als geläuterte Klimaretter zu erkennen geben. Vom Scharzdenker zum Türkisdenker, ja gut, Malkastenspielereien, aber doch nicht vom Seilbahnbonzen, Glückspiel Lobbyisten und Fachdilettanten zum Gründenker. Diesen Weg, Frau Minister, den Sie hier beschreiten wollen, den gehen Sie unbegleitet, diese Prognose wage ich jetzt einmal gerade heraus. Und wenn Sie am Ende nur noch den vornehmen Ansatz verfolgen: das Schöne liegt ja darin, nach den Dingen zu streben, nicht sie zu erreichen, dann sind Sie offensichtlich in Wien noch nie einer Strassenbahn nachgelaufen.

Somit sei der Zusammenhang zwischen Corona, dem Klimawandel und dem aktuellen Budgetvorschlag erklärt. Aja, das Kamel fehlt ja noch. Richtig. Frau Gewessler: eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass Sie uns diese türkis-schwarze Regierungsbank da, mit diesem Budgetentwurf als die Retter unseres Klimas verkaufen können.

Danke für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!

Dr. Johannes Margreiter, Abgeordneter zum Nationalrat. Aktuelle Beiträge auch bei uns auf facebook